Stadtgemeinde Bruck a. d. Mur
 
In urgeschichtlicher Zeit schon hat der noch heute äußerst wichtige Verkehrsknotenpunkt an der Einmündung der Mürz in die Mur eine tragende Rolle gespielt. Historisch bedeutende Reste kennen wir aber erst aus der römerzeitlichen Siedlung am rechten Murufer - die mit der Poststation Poedicum gleichgesetzt wird -, wo eine Römerstraße muraufwärts kommend nach Westen führte. Die erste urkundliche Nennung des Ortes erfolgte 860 in der Bestätigung eines salzburgischen Herrenhofes "as Pruccam". Hier entstand am rechten Murufer die Kirche St. Ruprecht, die noch vor 1195 aus der Urpfarre St. Michael ausgeschieden und mit Teilen der Urpfarre St. Lorenzen i.M. als selbständige Pfarre Bruck eingerichtet wurde. 1263 ließ König Ottokar II. im Mündungswinkel der beiden Flüsse nach Grundablösungen, vor allem vom Stift Admont, eine planmäßige Neuanlage Brucks durchführen. Sie wurde unter den Schutz der Burg am Schlossberg gestellt und im Viereck ummauert. Wesentlich für das Erscheinungsbild der Stadt Bruck an der Mur ist die relativ gut erhaltene und doch in manchen Fällen den modernen Erfordernissen angepasste Altstadt mit ihrem Schlossberg; sowie die Bereiche um die St. Ruprechts- und Kalvarienbergkirche. Als Pufferzone zur eigentlichen Altstadt ist ein Bereich charakteristisch, der mit Wohnblöcken aus der Kriegszeit sowie einem Villengebiet ausgestattet ist. Besonderes Augenmerk ist auf den Hintergrund der Stadtsilhouette zu legen. Der derzeit unbebaute und teilweise bewaldete Höhenrücken nordöstlich der Altstadt stellt einen äußerst sichtempfindlichen Bereich dar. Dies gilt auch für die Landschaft um den Pischkberg. Heute zwar außerhalb des Kerns der Stadt Bruck liegend, aber historisch gesehen eigentlicher Siedlungskristallisationspunkt ist der Bereich um die St. Ruprechtskirche mit Karner und Friedhof; einst Dominante einer Ortsentwicklung, die durch die Infrastrukturen (Bahn, Bundesstraße, Hochspannungsleitungen, Mur) und die Topographie (steile Hanglage) zum Verkümmern verurteilt ist. Die Abgrenzung des Schutzgebietes umfasst die Altstadt innerhalb der alten Stadtmauer mit dem Schlossberg sowie das Ensemble der Kirche St. Ruprecht mit Karner und Friedhof. Gemeinsam mit der Stadtgemeinde und der örtlichen Raumplanung wurde ein Ortsbildkonzept erarbeitet, welches das Schutzgebiet in zwei Schutzzonen unterteilt: Eine Schutzzone umfasst den geringfügig erweiterten historischen Ortskern als Ortszentrum mit öffentlicher und privater Verwaltung, wirtschaftlichen Funktionen wie Handel, Gewerbe und Dienstleistungen, in Konkurrenzsituation mit Einkaufszentren an der Peripherie, als geistiges Zentrum mit kulturellen und religiösen Institutionen, Schulen, Museen und Bildungseinrichtungen. Die zweite Schutzzone umfasst den Bereich um die St. Ruprecht Kirche, den Friedhof und das Pius-Institut. Eine Sichtbezugzone ist vom und zum Schlossberg definiert. Das vorliegende Ortsbildkonzept der Stadt trägt dazu bei, dass die ortsbildrelevanten Anliegen der Bürger und Bürgerinnen schnell und unbürokratisch umgesetzt werden können und dass ihre historisch gewachsene Altstadt und ihre gewachsene Ortsstruktur so gestaltet und erhalten wird, dass sie sich weiterhin in ihrer schönen Stadt wohlfühlen. Quelle: G. Axmann, K. Gartler & U. Werluschnig, 1994, Ortsbildschutz Steiermark 1977-1994
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